5. Deutsch-Niederländisches Wirtschaftssymposium

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Corona in den Niederlanden und Deutschland: Herausforderungen für Ökonomie, Politik und Gesellschaft

Dezember 2020

Ökonomische, politische und gesellschaftliche Debatten in den Niederlanden und Deutschland organisiert vom Zentrum für Niederlande-Studien, Münster, in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Niederländischen Handelskammer und der Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen.

Nach der Eröffnung von Prof. Dr. Friso Wielenga vom Zentrum für Niederlande-Studien in Münster sprach WDR-Moderator Heiner Wember mit Prof. Dr. Gabriel Felbermayer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft über die wirtschaftlichen Corona-Folgen und mit Dr. Rem Korteweg vom Clingendael-Institut in Den Haag über die Pandemieauswirkungen auf Europa und die Welt. Hier eine kurze Zusammenfassung.

Corona und die wirtschaftlichen Folgen

„Wir können Corona nicht mit einheitlichen Maßnahmen in ganz Deutschland bekämpfen. Das ist schädlich für die Wirtschaft“, betonte Felbermayer. Der deutsche Föderalismus sei daher eigentlich ein Vorteil in der Krise, sofern der Austausch untereinander stimme. Zurzeit bestehe allerdings eine große Unklarheit bei den Regeln, auch innerhalb der Bundesländer selbst. „Das Land ist nun einmal heterogen, da muss man entsprechend handeln.“ Deutschland habe die erste Welle gut überstanden, und auch jetzt, während der zweiten Welle, sei das Gesundheitssystem noch nicht überlastet und die Infektionszahlen nicht so hoch wie in den Nachbarländern. „Dennoch müssen wir die Situation ernst nehmen.“ Deutschland, so Felbermayer, müsse jetzt alles tun, um die Zahlen nach unten zu bringen. „Eine Lockerung über die Feiertage ist sicher schön, aber wenn man sich die aktuellen Zahlen ansieht, keine gute Idee.”

Laut Felbermayer wird Deutschland durch die Krise 2020 und 2021 rund 400 Milliarden Euro verlieren. „Das sind mehr als 10 Prozent des BIP.” Zwar gebe es verschiedene Hilfsprogramme für Unternehmen, aufgrund der Bürokratie kämen die Leistungen aber nur verzögert oder überhaupt nicht an. Darüber hinaus müsse es neben Liquiditätshilfen auch Instrumente geben, die auf das Eigenkapital der Unternehmen zielten, so Felbermayer. „Eigenkapital ist wichtig für Investitionen, aber seit 2015 rückläufig.”

Auf europäischer Ebene sei Vertrauen sehr wichtig, so Felbermayer. „Die EU ist nicht besser oder schlechter als die Mitgliedsstaaten.“ Unternehmer und Bürger müssten darauf vertrauen können, dass der europäische Binnenmarkt auch in Krisensituationen offen bleibt, zum Beispiel indem die Grenzen offen und die Lieferketten sowie Produktionsnetzwerke aufrecht gehalten werden.

Corona, Europa und die Welt

Und wo stehen die Niederlande jetzt in der Corona-Krise? „Wir sind noch nicht an dem Punkt in der Krise, an dem wir wieder beschleunigen können, um aus dem Tal herauszukommen“, so Rem Korteweg vom Clingendael Instituut. Nach dem freien Fall der Wirtschaft im zweiten Quartal 2020, habe man im dritten Quartal eine Erholung von 7,7 Prozent verzeichnen können. Allerdings seien die Infektionszahlen trotz der strengeren Maßnahmen noch nicht rückläufig wie erhofft, so dass sich der Aufschwung im vierten Quartal erheblich abschwächen könne. Das bleibe abzuwarten, so Korteweg. In den Tagen vor Weihnachten sei eine weitere Pressekonferenz geplant, auf der die Regierung möglicherweise noch strengere Maßnahmen vorschlagen werde.

Die niederländische Regierung wolle vor allem die Wirtschaft am Laufen halten und die individuelle Freiheit so wenig wie möglich einschränken, erklärte Korteweg. Das sei jedoch eine Herausforderung bei den aktuellen Infektionszahlen. Die Frage sei also, ob wir aus der ersten Welle etwas gelernt hätten. „Es sieht nicht gut aus und das werden wir auch an den Handelszahlen sehen.“

Eine der interessantesten Entwicklungen dieses Jahres ist für Korteweg der europäische Corona-Wiederaufbaufond in Höhe von 500 Milliarden Euro. „Die Niederlande sind nicht gegen diesen Fond, erwarten aber, dass er an Bedingungen geknüpft wird.“ Laut Korteweg sehen die Niederlande die Euro-Zone und die fiskalische Geldpolitik als ein Marktinstrument, mit dem der Markt weiterentwickelt werden könne. Deutschland hingegen sehe in der EU vor allem ein politisches Projekt, das neben wirtschaftlichen auch politische Ergebnisse wie Solidarität hervorbringen solle. „Eine andere Denkweise“, so Korteweg.

Und dann ist da noch der Brexit. „Das Vereinigte Königreich ist die wichtigste Wirtschaft außerhalb der EU, zu der wir gute Beziehungen unterhalten wollen“, erklärt Korteweg. Gleichzeitig müsse die Integrität des externen Marktes gewahrt werden. „Der Wettbewerb mit Großbritannien muss fair bleiben“, betonte Kortweg.

Text: DNHK

Podcast Audio

Podcast Script

Das Script zum DNWS-Podcast 2020 kann hier (PDF) angeschaut werden.

Impression

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Videokonferenz 5. Deutsch-Niederländische Wirtschaftssymposium (Foto: DNHK)